... Your memory is everything ...

Auch hier paßt die letzte Zeile aus dem Lied "Book of golden Stories" von Runrig. Deine Erinnerung ist alles. Aber was sind das für Erinnerungen, wenn ein Welpe gestorben ist, der noch nicht mal zwei Monate bei uns leben durfte? Denn diese zwei Monate waren nicht nur schön gewesen. Sie waren immer wieder geprägt von Leid. Immerzu Tierarztbesuche, wo er diese gemeinen Spritzen bekam, daß er schrie - und trotzdem hatte er sich jedesmal über die Tierärztin gefreut. Und zum Schluß dieses furchtbare Bild, wie er die Krämpfe bekam... Er stand vorm Wassernapf und auf einmal wackelte sein Kopf hin und her. Ich sprach ihn an, doch er reagierte nicht. Auf der Fahrt zum Tierarzt hatte er sich dann auch noch zeitweise in die Leine verbissen. Diese Bilder werde ich wohl nie vergessen. Auch nicht das Bild, wie er auf Intensivstation lag. An Infusionen angeschlossen, mit einem Kragen um den Hals; vollgepumpt mit Valium, damit er die Krämpfe nicht so mitbekam und der Körper Entspannung bekam. Nein, diese Bilder werde ich wohl nie vergessen.

Nun aber genug von den schlimmen Erinnerungen! Das erste, das mir bei Pepe in den Sinn kommt, war seine überschäumende Freude, wenn er Menschen und Hunde begegnet ist. Pepe hat sich über jeden gefreut und wollte auch mit jedem schmusen. Am Kiosk wurde sich schon immer gefreut, wenn wir reinkamen "Oh, da kommt Pepe!" und schon wurde mit ihm geknuddelt. Ja, Pepe war ein kleiner Sonnenschein!

Pepe war auch sehr schlau. Mit noch nicht mal vier Monaten konnte er schon Sitz, Platz, Hier, Bleib und hat schon den Ball zurückgebracht. Mithilfe des Clickers konnte er schon freiwillig ungefähr 10m Fuß laufen - nah am Bein, mit Anschauen. Natürlich war es bei Ablenkung noch nicht so perfekt gewesen. Aber trotzdem war das schon für sein Alter super gewesen. Talent für Agility hatte er auch schon gezeigt. Ein selbstgebauter Laufsteg, ein selbstgebauter Tunnel waren für ihn Pipifax gewesen. Gleich beim ersten Ausprobieren machte er das, als würde er das schon lange können.

Pepe hatte auch Talent für die Rettungshundearbeit. Er war unerschrocken und neugierig. Wackelige Bretter und dergleichen - kein Problem für Pepe. Ein knatternder Hubschrauber im Landeanflug - ein kurzer Blick in den Himmel, was das war und dann lief er unbeeindruckt weiter.

Fressen war seine große Leidenschaft. War er am Anfang etwas mäkelig gewesen, so mauserte er sich mit der Zeit zu einer siebenköpfigen Raupe, die nie satt zu sein schien. Machte ich das Futter zurecht, dann hüpfte er wie ein Flummi neben mir auf und ab. Und zwar so hoch, daß er auf die Anrichte sehen konnte. Kaum war er auf dem Boden angekommen, schon hüpfte er wieder hoch - und das in einem wahnsinnigen Tempo, daß man dachte, er hätte Sprungfedern unter den Pfoten. Dazu jaulte er ganz aufgeregt.

Ja, springen konnte Pepe - und wie. Schwupps war er bei mir auf dem Sofa.

Was wohl stark in Erinnerung bleiben wird, ist, daß Pepe total wasserscheu gewesen ist. Regnete es, wollte er nicht rausgehen. Im Garten hat er sich Stellen ausgesucht, wo das Dach den Regen abhielt. Einmal ging er sogar unter den Gartentisch und machte da sein Geschäft. War der Regen vorüber, das Gras aber immernoch naß, dann ist er da langgestapft wie ein Storch im Salat. Bot sich eine Möglichkeit, vom Gras runterzukommen, so hüpfte er schnell aufs Trockene. Nein, also so einen wasserscheuen Hund habe ich noch nie erlebt. Vor allem, da Rica eine Wasserratte gewesen war, war mir das völlig neu mit Pepe gewesen.

Pepe hatte sich schon so manches von Rica abgeschaut. Kam man aus dem Garten ins Haus, so lernte er dank Rica, daß man bei Oma in die Küche gehen sollte, da dort öfter mal was Feines abfallen konnte. Oder daß man es bei Oma in der Stube probieren konnte.

Ja, seine Rica... Pepe hat Rica über alles geliebt. Er durfte bei ihr an den Zitzen nuckeln; bei ihr mit im Körbchen liegen; sich an sie kuscheln. Nur manchmal nervte er sie mit seinem überschwänglichen Abgeknutsche. Mal ließ sie es sich gefallen, mal ging sie einfach weg. Aber Pepe wäre nicht Pepe gewesen, würde er nicht hinterherlaufen. Ab und zu mußte ich Rica vor seinem Geknutsche retten.

Wie hätte er reagiert, wenn er Rica überlebt hätte? So, wie er an ihr gehangen hat... Abends fand er erst im Wohnzimmer seine Ruhe, wenn Rica auch im Zimmer war. So fixiert war er auf sie. Wie hätte er auf ihren Tod reagiert?

Pepe hat sich auch von Rica abgeschaut, wie man die Intelligenzspielzeuge knackte. Das hatte er nach ein paarmal hinschauen gekonnt. Der schlaue, kleine Wurschtel!

Eines abends machte Pepe Bekanntschaft mit einer Kröte. Da bei uns bis vor kurzem ein Gartenteich war, hatten wir immer Frösche hier, die immer wiedergekommen sind. Diese Kröte hatte sich wahrscheinlich daran erinnert und ist zu uns in den Garten gehüpft, wurde aber leider enttäuscht. Im Dunkeln saß sie nun hinter Blumentöpfen. Pepe hatte sie entdeckt und ging sofort neugierig auf sie zu. Er stupste sie mit der Nase an und zog sofort seinen Kopf wieder zurück. Dann stupste er sie wieder mit der Nase an - und zog erneut den Kopf zurück, weil die Kröte ja schleimig, also eklig war. Das wiederholte er ein paarmal, bis er plötzlich wie angestochen losrannte. Er rannte wie ein Irrer durch den Garten, kam dann wieder zur Kröte zurück. Am nächsten Morgen mußte er sich an die Kröte erinnert haben, denn er ging sofort zu der Stelle hin, wo die Kröte gesessen hatte. Doch die Kröte war fort.

Pepe lag gerne völlig ausgestreckt auf dem Bauch. Das heißt, er streckte seine Hinterbeine nach hinten aus. Das war immer ein ulkiges Bild gewesen. Ein wenig erinnerte das uns an unseren Blacky, der auch immer so gelegen hat.

Aber auch auf dem Rücken lag er gerne - genau wie Rica. Ist schon lustig, daß scheinbar alle Hütehunde gerne so verrückt liegen.

Wenn er zum Schlafen in seinen Käfig kam, dann bekam er immer sein Knuddelschäfchen dazu, das er von seinem Papa Aramis geschenkt bekommen hatte. Das Schäfchen mußte wohl ein wenig Geschwisterersatz sein, denn er kuschelte die ganze Nacht damit. Besonders gerne legte er seinen Kopf auf das Schaf und sah mich dann immer so niedlich an. Dann machte er ein kurzes, ulkiges Geräusch und schloß die Augen. Ich bereue es, das nie photographiert zu haben - es war wirklich ein ganz süßes Bild.

Meine größte Sorge galt immer dem Nachbarshund Jack. Jack, ein großer Mischling, der der Schrecken der Straße ist, läuft immer ohne Leine. Da er ganz gerne mal andere Hunde angreift - wenn auch noch nichts passiert ist - hatte ich immer Angst um Pepe. Bei Rica war das nie ein Problem gewesen, weil er sie mochte (wer tat das nicht?). Aber Pepe? Nun, die Sorge wurde mir genommen. Seit Jack beim ersten Treffen gemerkt hat, daß Pepe mega-wuselig war, war Pepe ihm nicht mehr geheuer. Wenn wir ihn nun trafen, machte Jack einen riesigen Bogen um Pepe und sah zu, daß er schnell wegkam. Ob er das auch noch gemacht hätte, wenn Pepe geschlechtsreif geworden wäre? Jedenfalls war ich beruhigt gewesen, daß meinem kleinen Pepe nichts passiert war.

Pepe war nichts passiert - im Gegensatz zu meinem Daumen. Denn Pepito nahm nicht die Leckerlies, sondern schnappte so sehr danach, daß ich ständig am Daumen eine blutende Wunde hatte. Mit etwas Training hatte sich das Ganze zum Schluß ja gebessert. Aber meinen Daumen ziert seitdem eine kleine Narbe. Eine Erinnerung an Pepe.

Und dieses Verfressene! Mein Gott, ständig stand er vor der Futterkiste. Wenn man ihn mal suchte, war er immer beim Futter zu finden.

Nach dem Fressen schubberte er seine Schnauze am Teppich ab. Er war dabei richtiggehend verrückt gewesen. Dieses Schnauze-abrubbeln ist wohl typisch für Schapendoezen.

Wenn ich aus der Dusche komme, dann muß ich immer an Pepe denken. Warum? Nun... Einmal mußte ich ihn zwangsläufig mit ins Badezimmer nehmen. Als ich aus der Dusche kam, sah ich ein Chaos vor mir. Pepe hatte am Klopapier gezogen und fast die ganze Rolle aufgerollt und im Bad verteilt. Schimpfen ging nicht mehr, da schon alles vorbei war. Beim Aufräumen habe ich dann geschmunzelt und in mich reingelacht. Außerdem war ich froh, daß er Unsinn im Kopf hatte, da er da schon sehr krank mit Fieber war. Und Unsinn kann man doch nur machen, wenn es einem gut geht, oder? Also freute ich mich insgeheim über dieses Zeichen. Doch ich hatte mich zu früh gefreut. Ein paar Tage später war Pepe tot... Nun muß ich jedesmal an ihn und das Chaos denken, wenn ich aus der Dusche komme.

Ein Markenzeichen von Pepe - neben dem ausgestreckten Liegen - war, so richtig auf seinem Po zu sitzen. Das sah immer ulkig aus. So saß er wie Graf Koks und sah einen an. Ich hätte mich jedesmal beömmeln können. Vielleicht könnt ihr es ja auf dem Bild sehen, wie er genau auf seinem Hintern sitzt.

Noch ein Markenzeichen, das sehr peinlich war, war, daß er beim Lösen Geräusche machte, wie wenn ein Mensch auf Toilette sitzt... Das war besonders "toll", wenn Leute an der Straße oder nebenan in der Gärtnerei waren. Sie mußten denken, da würde jemand im Garten sitzen und sch... Letzteres stimmte ja, nur es war kein Mensch, sondern ein kleiner Hund. Ein kleiner Hund mit sehr lauten, seltsamen Geräuschen. War das peinlich...

Wie ihr sehen könnt, war Pepe ein kleiner Punker (die Bilder könnt ihr per click vergrößern). Seine Frisur war echt affenstark! Ich konnte mich an diesen wild umherstehenden Haaren nicht sattsehen. Das hat ihm einen besonderen Ausdruck gegeben, finde ich. Ich frage mich, ob er im Erwachsenenalter auch noch ein Punker gewesen wäre? Das werde ich wohl nie erfahren. Es war jedenfalls köstlich anzusehen, wie seine Haare auf dem Kopf in alle Richtungen standen. Mein kleiner Punker...

Wenn ich am Computer saß, dann legte er sich unter den Schreibtisch - und zwar auf meine Füße, oder zumindest angekuschelt. Da hat er dann geschlafen (und ich konnte sehen, wie ich sitzen sollte). Das war immer lustig gewesen. Nun liegt niemand mehr auf meinen Füßen...

Pepe liebte Kartons. Er kletterte hinein, legte oder setzte sich und knabberte und riß mal hier, mal da. Das konnte ihn stundenlang beschäftigen. Vor allem sah das so niedlich aus. Oder war das ein Omen?

Das waren die Erinnerungen an Pepe. Im Vergleich zu Rica ist das doch sehr wenig. Aber wenn man bedenkt, daß Pepe keine 2 Monate bei uns sein durfte, dann sind das für diese kurze Zeit ganz schön viele Erinnerungen.

Zwischen die Erinnerungen mischen sich auch immer wieder Fragen. Wie hätte er erwachsen ausgesehen? Wie hätte er beim Schützenfest reagiert? Wie hätte er den Herbst gefunden? Hätte er Blätter gejagt oder wäre er in die Laubhaufen gehüpft? Wie hätte er auf den ersten Schnee reagiert? Hätte er das toll gefunden und wäre wie Rica wie ein Kasper umhergeflitzt? Oder hätte er Schnee genauso wie Regen doof gefunden? Welche Freunde hätte er gehabt? Hätte er an Agility genauso viel Spaß gehabt wie sein Papa Aramis und Halbbruder Duke? Oder hätte er wirklich das Zeug für einen Rettungshund gehabt? Was hätte er für Hobbies, Eigenheiten, Vorlieben und Abneigungen gehabt? Wie wäre das Leben mit Pepe verlaufen?

Es wäre schön mit ihm gewesen...

 

 

Falls mir noch etwas einfallen sollte, so werde ich davon berichten!