Erinnerungen an Rica Teil 2

Einer ihrer Lieblingsplätze im Garten war unter den Büschen. Da kroch sie immer drunter und legte sich hin. Manchmal buddelte sie auch kleine Kuhlen. Besonders im Sommer waren die Büsche sehr beliebt gewesen.

Als Rica noch jung war, konnte bei uns überall - auch auf dem Fußboden - was Eßbares herumliegen. Auch wenn Rica mit dem Essen alleine im Zimmer war, rührte sie es nicht an. Im Alter jedoch ist Rica so verfressen geworden, daß nichts mehr vor ihr sicher war. Diese Wandlung fanden wir schön - auch wenn wir ständig aufräumen mußten. Aber irgendwie war das Verfressene lustig gewesen.

Rica war ja ein Bearded Collie, also ein Hütehund. Das hat sie uns immer wieder gezeigt, wenn wir zu mehreren spazierengegangen sind. Dann ist sie immer um uns herumgelaufen und hat aufgepaßt, daß keiner verlorenging. Ab und zu blieb mal jemand stehen oder versteckte sich. Das hat Rica sofort bemerkt und ist zu dem zurückgebliebenen "Schaf" gelaufen, es umkreist und hat dafür gesorgt, daß das "Schaf" wieder aufschloß. Auf diesen Hütetrieb bin ich auch stolz, daß sie das alles ohne Training gekonnt hat!

Und dann gab es mal eine Situation mit Schafen, wo sie auch richtig gehandelt hatte. Eine Herde Schafe graste eingezäunt auf einer Wiese mit Hanglage. Als ich mit Rica zu den Schafen gegangen bin (ich mag Schafe ganz doll), habe ich gesehen, daß eines der Wollknäule außerhalb des Zaunes lief. Natürlich hatte Rica das auch sofort bemerkt und wurde schon ganz hibbelig. Ich hatte sie aber erstmal absitzen lassen und ging ohne sie Richtung Schaf, damit es nicht erschrak und sonstwo hinlief. Ich suchte nach der Stelle, wo das Schaf entwischt sein konnte, fand es aber nicht.

Vor mir lief das Schaf in Richtung Rica, die ganz lieb wartete. Dann ging ich zu ihr, erlöste sie und ließ sie laufen. Und was machte Rica? Ich weiß nicht mehr, wie - aber irgendwie hatte es Rica geschafft, daß das Schaf zurückhüpfte. Well done, Rica! Und das ohne Training. Na ja, ein ausgebildeter Hütehund hätte das besser gemacht. Aber das war für einen Hütehund, der nicht an der Herde arbeitete, auch schon toll gewesen. Da sah man es mal wieder: Rica steckte voller Überraschungen und ließ einen immer wieder staunen! DAS war Rica! Der beste Hund der Welt!

Im letzten Herbst zeigte Rica wieder einmal, was sie für ein Kasperkopf doch war - und das in ihrem Alter! Ich harkte das Laub zu einem großen Haufen zusammen, um es dann mit einer Schubkarre wegzubringen. Rica war natürlich dabei und hat manchmal alles wieder durcheinander gebracht. Und dann... Ich wollte gerade die Schubkarre neu füllen, als ... huch ... hopp ... auf einmal Rica in der Schubkarre saß! Sie war einfach übermütig hineingehüpft! Das sorgte natürlich für Lacher! Auch heute noch kann ich mich darüber amüsieren! Ja, ja - mein kleiner Kasperkopf!

Früher habe ich öfter mal Tin Whistle gespielt. Das ist eine irische Blechflöte. Aber so richtig konnte ich nie spielen. Vor allem, weil meine kleine Rica-Maus jedesmal angerannt kam, sobald ich losspielte. Dann hüpfte sie um mich herum und machte Quatsch, daß ich vor lauter lachen nicht mehr spielen konnte. War das ein Spaß gewesen!

Ein Beardie ist ein intelligenter Hütehund. Er denkt mit und Kadavergehorsam ist ihm daher fremd. Das liebe ich so an den Beardies. Andere bezeichnen sowas als Sturheit. Dabei ist das doch nur ein Zeichen von Intelligenz!

Jedenfalls haben wir gaaanz früher das Training für die Begleithundeprüfung mitgemacht. Doch Rica war das megalangweilig gewesen. Ehrlich gesagt, mir auch. Bei einer Begleithundeprüfung muß man ein bestimmtes Laufschema abgehen. Soundsoviele Schritte langsam gehen, schnell, normal, stehen bleiben, Sitz, Platz, Hier, etc. All das ist exakt festgelegt, wann was zu machen ist. Wehe dem, man geht nicht so, wie die wollen! Zum Schluß können die Hunde das schon auswendig, wenn Prüfung ist. Was hat das - bitte schön - mit dem Alltag zu tun? Nichts! Viele Hunde, die die BH haben, hören beim normalen Spaziergang nicht die Bohne und sind unverträglich. Man sollte sich echt mal was anderes ausdenken!

Jedenfalls machten wir wochenlang beim Training für die BH mit. Doch Rica und mir war es irgendwann zu blöd gewesen, daß wir alles abgeblasen haben. Ich wollte eh nie Turniere gehen, sondern Agility nur zum Spaß machen. Also brauchte ich keine BH machen. Rica war mehr als begeistert darüber gewesen, daß wir von nun an nur noch Agility gemacht haben.

Viele Wochen später wollte ich ein wenig Abwechslung in den Spaziergang bringen und fing auf Rica´s Lieblingswiese an, mit ihr das Laufschema der BH zu gehen. Nur ein paar Schritte brauchte Rica, um herauszufinden, daß das das verhaßte Laufschema war! Plötzlich fing sie an zu humpeln. Erst nur ein wenig und dann immer mehr, wo sie Lassie glatt Konkurrenz machen konnte. Ich sah ihre Pfoten nach, ob sie wo reingetreten war - aber es war nichts gewesen. Also ging ich weiter. Rica humpelte erneut. Doch irgendwann merkte sie, daß sie damit nicht durchkam und lief wieder normal. Sofort beendete ich das doofe Laufschema und spielte mit ihr. Ich war stolz auf sie! Stolz, weil sie so schlau gewesen ist, das zu erkennen. Und stolz, weil sie geschauspielert hat. Darauf bin ich auch heute noch stolz! Ja, sowas ist Intelligenz!

So machten wir Agility nur zum Spaß. Und das im wahrsten Sinne des Wortes! Denn Rica hatte jede Menge Spaß. Wenn sie sah, daß ich die Agility-Leine vom Haken nahm, dann wurde sie schon ganz verrückt, weil sie wußte, jetzt fuhren wir zum Hundeplatz. Das Warten, bis alles aufgebaut war, war für sie furchtbar. Aber dann ging es endlich los! Rica war zwar nicht die Schnellste gewesen, dafür aber sehr korrekt - und springen konnte sie wie sonstwas! Dabei sah alles so leichtfüßig aus. Sie konnte praktisch aus dem Stand über die Hürden hüpfen. Viele Beardies von heute sind plump und schwerfällig, daß man den Eindruck hat, sie könnten den Parcours kaum bewältigen. Aber Rica war ja noch vom alten Schlag. Sie war zwar etwas langsam - aber sie war trotzdem leichtfüßig unterwegs gewesen. Bei ihr sah alles so leicht aus! Das mal am Rande.

Nicht nur Rica hatte Spaß beim Agility. Sondern auch ich und die anderen. Denn Rica warf beim Springen ihre Beine immer so lustig nach vorne, daß man lachen mußte. Beim Sacktunnel ließ sie auch Gelächter entstehen. Kaum war sie aus dem Sacktunnel draußen, schüttelte sie sich erstmal, bevor es weiterging. Als wenn sie das Fell erstmal ordnen müßte. Es war jedesmal zum Kringeln!

Als sie älter wurde, bin ich nicht mehr mit ihr zum Hundeplatz gefahren. Ich machte nur noch ein wenig im Garten Agility. Dann - vor ein paar Jahren - waren wir auf dem Hundeplatz zum Beardietreffen gewesen. Erstmal freute sie sich, daß wir auf dem Hundeplatz waren. Und als sie dann irgendwann sah, daß die Agility-Sachen herausgeholt wurden, wurde sie auf einmal total verrückt. Sie hatte das nicht vergessen! Trotz ihres Alters flitzte sie über den Parcours und sprang wie früher auch. Dabei zeigte sie den anderen Beardies, die viel jünger waren als sie, was eine Harke war. Sie war so freudig und wild gewesen, daß niemand glauben wollte, wie alt sie war! Es war so schön zu sehen, was Rica für einen Spaß gehabt hat! Und wiedereinmal bin ich stolz auf meine Rica, den besten Hund der Welt!

Auf dem Hundeplatz freundete sich Rica sofort mit Higgins an, einem struppigen Mischlingsrüden. Auch Higgins war angetan von Rica und hing immer wie eine Klette an ihr. Daß sie so auf ihn stand, lag unter anderem an seinem Aussehen. Rica bevorzugte struppige / zottelige Hunde. Vor allem kleine, zottelige Hunde hat sie geliebt. Größere Hunde und welche mit kurzem Fell hat sie zwar begrüßt, aber mehr war nicht. Schon seltsam, wie Hunde einen bestimmten / ähnlichen Typ bevorzugen.

Rica´s absoluter Liebling, wo sie sowas von verschossen drin war, war der kleine Mischling Timmie. Eigentlich war er nicht zottelig gewesen und daher nicht so der Typ gewesen, wo sie drauf flog. Aber dieser Timmie mußte etwas an sich gehabt haben. Wenn sie Timmie sah, flippte sie vor Freude fast aus. Selbst mit 13 Jahren war sie wie eine Irre, wenn wir ihm begegnet sind. Dann sprang sie um ihn herum, machte Spielaufforderung und war nur noch verrückt. Die Begeisterung beruhte aber leider, leider nicht auf Gegenseitigkeit. So stand Timmie ganz verdutzt da und hoffte, daß sie ihn bald in Ruhe ließ. Timmie könnte man also als Liebe ihres Lebens bezeichnen. Ach ja, Rauhhaardackel hat Rica auch geliebt, vor allem Poldi. Schon lustig, wie die Sympathien so spielen.

Ich muß nochmal was zum Laub sagen. Wenn im Herbst das Laub im Wald auf dem Boden lag, dann ist sie immer geschlurft - genauso wie ein Kind, das durch das Laub schlurft. Daran hatte sie irgendwie Gefallen gefunden - und ich konnte mich dann wieder einmal amüsieren. Wenn sie durchs Laub schlurfte, war natürlich nichts mehr vom lautlosen Gang zu sehen. Aber wenn es ihr so Spaß machte... Ihr seht - Rica war in manchen Dingen wie ein Kind gewesen. Das hätte ich früher - als wir sie zu uns geholt hatten - nie gedacht, daß sie mal so ein Kasperkopf werden würde. Da hatte sie mich aber angenehm überrascht! Meine kleine Rica...

Die Treppe ist Rica früher wie eine Irre rauf- und runtergerast. Besonders wenn jemand zur Tür reinkam, den sie geliebt hat. Dann gab es kein Halten mehr. Sie raste die Treppe dann immer so schnell hinunter, daß wir schon manchmal die Augen schließen mußten, weil es so gefährlich aussah.

Vor ein paar Jahren war sie beim Runtergehen auf einmal nicht mehr so sicher. Vor allem, weil die Treppe plötzlich glatt war. Da rutschte sie ganz schön. Was machten wir da? Na ja, erstmal nicht so viel. Wir haben drauf geachtet, daß sie nicht so schnell lief. Und dann gab es einen Unfall. Rica rannte wie eine Blöde die Treppe runter, rutschte auf der Hälfte aus und rutschte dann Stufe für Stufe den Rest hinunter. Sie hatte sich nicht wehgetan. Wie immer schüttelte sie sich nur und ging dann weiter. Aber ich war ganz schön geschockt gewesen. Seitdem kam Rica beim Trepperuntergehen an die Agility-Leine, die so nach und nach zur "Hofleine" wurde (man nahm diese Leine und schon freute sich Rica wie ein Schneekönig, weil es auf den Hof ging). So gesichert ging es von nun an hinunter. Doch ab und zu fingen ihre Hinterbeine trotzdem an zu rutschen, mal mehr, mal weniger. Also bekam sie für die Treppe Baby-ABS-Socken an, die den Pfoten Halt gaben. Was tut man nicht alles, damit es dem Hund gut geht?!

Die letzten 2 Wochen ihres Lebens trug ich Rica lieber die Treppe rauf und runter. Denn ihr Tumor mußte dabei ziemlich gespannt haben, daß sie Schwierigkeiten hatte, die Treppe zu gehen. Aber Rica wollte manchmal partout nicht getragen werden. Manchmal ging sie einfach die Treppe hinauf, Stufe für Stufe. Ich wollte sie hochnehmen, aber sie ging einfach weiter. Ich glaube, Rica wollte sich und uns ab und zu beweisen, daß sie das noch konnte. Dann ließ ich sie auch machen, stützte sie allerdings von hinten. Rica wollte eben nie "alt" sein, hatte man den Eindruck. Das sah man ja auch gut daran, daß sie bis zum Schluß lernen und beschäftigt werden wollte.

Ich glaube, für sie selber war es gut, daß sie dann doch so schnell innerhalb von einer Woche abgebaut hatte, so daß sie erlöst werden mußte. Hätte sie noch länger gelebt, wäre aber gebrechlich gewesen, dann hätte sie gelitten. Das weiß ich. Sie wollte immernoch was tun. Wenn sie dann nicht mehr so gekonnt hätte, wie sie wollte, dann wäre sie wahrscheinlich in ein Loch gefallen. Rica war eben ein Hund, der gerne lernte und gerne was tat. Schon im letzten Jahr ihres Lebens merkte ich, daß sie manchmal schon nicht mehr so konnte, wie sie wollte - und dann war sie auch schon motzig deshalb, wenn es nicht so ging, wie sie gerne wollte. Wenn sie hingegen was Neues lernen oder zeigen durfte, was sie konnte, war sie überglücklich. Deshalb denke ich, hätte sie gelitten, wenn sie lange gebrechlich gewesen wäre. So war es für sie besser gewesen.

Ja - lernen, lernen, lernen... Das war Rica. Als wir sie zu uns geholt hatten, hätte ich niemals gedacht, daß sie jemals irgendetwas lernen würde, so desinteressiert und apathisch war sie da vor Angst. Aber dann holte sie auf und lernte, was das Zeug hielt. Als dann noch der Clicker dazukam und wir Tricks einübten, wurde aus Rica ein Arbeitshund. Sie lernte so viele Sachen. Ab und zu machten wir die Tricks zwischen den Ruinen des Klosters. Dann hatten wir öfter mal Zuschauer, die über Rica staunten.

Manchmal wurde Rica beim Tricksen übermütig und irre. Sie sprang herum, bellte. Sie verdrehte aber auch manchmal die Tricks. Wenn sie z.B. "Rolle" machen sollte, machte sie "Peng". Wenn sie "Peng" machen sollte, machte sie "Rolle". Wenn sie winken sollte, machte sie "Back" und umgekehrt. Sie suchte sich dann immer zwei Tricks raus, die sie gegeneinander vertauschte. Nicht einfach wahllos durcheinander. Nein, sie machte das anspruchsvoller und vertauschte immer zwei Tricks miteinander. Ich kann mich jetzt noch darüber amüsieren. Tjaaa... DAS war Rica, mein Kasperkopf.

Rica hatte ein seltsames Talent. Mindestens einmal im Jahr trat sie in eine Scherbe, daß ihre Pfote verbunden werden mußte. Ich weiß auch nicht - aber irgendwie fand sie wie automatisch die Scherben. Einmal war es besonders schlimm. Ich ging mit ihr über den Hasenwinkel, Richtung Kupferberg. Kurz vor dem Schießstand, der da steht, sah ich, daß in den Schneeresten Blutstropfen waren. Ich stoppte Rica und begutachtete ihre Pfoten. Und da war es: Ein Ballen war vollkommen aufgeschnitten, daß man ihn auseinanderklappen konnte und weit hineinsah - ein ekliger Anblick. Jedenfalls sind wir so schnell es ging nach Hause. Da legte ich ihr erstmal in der Küche einen Notfallverband an. Hinterher sah die Küche aus wie ein Schlachthaus, überall Blut. Nun sollte sie zum Tierarzt. Aber... Es war Sonntag. Niemand war da. Also fuhren wir sonstwo hin. Dieser Tierarzt gab ihr nur eine örtliche Betäubung in die Pfote. Dann nähte er den Ballen. Aber die Betäubung war nicht stark genug. Rica zappelte und fiepte vor Schmerzen. Es war furchtbar... Ich rege mich auch heute noch über diese Idioten auf, die überall Scherben hinterlassen!

Wenn die Kirchenglocken läuteten, dann sprang Rica immer auf ihren Sessel am Fenster und schaute ganz andächtig Richtung Kirche. Sie jaulte nicht, sondern saß fasziniert da. Aber in den letzten Jahren machte sie das nicht mehr. Ich weiß nicht, warum. Und dann wurde sie taub, daß sie die Glocken nicht mehr hörte. Wir sagten dann immer, Rica wäre ein Kirchenhund.

Wir ließen sie immer die Yoghurtbecher auslecken. Dabei machten wir eine Feststellung: Rica liebte die Sorte Pfirsich / Maracuja. Danach war sie ganz verrückt. Die anderen Sorten leckte sie zwar auch gerne aus. Aber bei Pfirsich / Maracuja kroch sie immer regelrecht in den Becher rein. Ein kleiner Feinschmecker!

Natürlich liebte sie auch Leberwurst, andere Wurstsorten und Fleisch. Wenn Fleisch vom Kochen übrigblieb, dann wurde es abgewaschen und kleingeschnitten. Dann nahm ich das zum Training. Bei dieser Superbelohnung wurde Rica ganz verrückt. Dann zeigte sie was sie konnte, ohne daß ich etwas sagte. Wenn ich dann mit Hörzeichen übte, führte sie die Übung sofort und überkorrekt aus - kein Wunder, schließlich wartete was Superfeines. So etwas trieb sie zu Höchstleistungen an. Ja, ja, da sind die Tiere wie Menschen...

Ein besonderes Kennzeichen hatte Rica auch: An ihrer linken Ohrspitze hatte sie einen kleinen Fleck weißem Fells. Eigentlich ist das ja nicht gerne im Standard gesehen. Aber ich persönlich fand diesen weißen Fleck total süß und freute mich sogar, daß sie so ein äußerliches Kennzeichen hatte, woran man sie gut erkennen konnte. Auf dem Bild kann man diesen weißen Punkt gut sehen.

Seehund hat Rica auch ohne Wasser gespielt. Das war immer lustig gewesen. Ich habe Rica öfter mal die Pfoten massiert. Wenn ich dann zwischen den Ballen massierte, blähte sie immer die Lefzen auf, so daß sie aussah wie ein Seehund, der schnaubte. Total witzig war das! Das ist wohl eine der besonderen Eigenheiten, die sie gehabt hat. Sowas macht schließlich nicht jeder!

... und dann kam Pepe! Damit Rica schon mal den Geruch von Pepe mit was Tollem verband, rubbelte ich ihn mit einem Handtuch ab und ab da bekam Rica Leckerlies auf diesem Tuch. So verband sie was Feines mit dem Geruch. Als wir dann mit Pepe nach Hause kamen, freute sie sich. Sie hat ihn auch sofort akzeptiert.

Sie verkroch sich nicht irgendwo und war beleidigt. Nein, sie war immer dabei. Sie bekam ja auch in seiner Gegenwart immer ganz tolle Sachen, so daß sie ihn immer noch mit was Feinem verband.

Das Bild zeigt, wie sie es erlaubt hat, daß Pepe bei ihr an den Zitzen nuckeln durfte! Dabei schmatzte sie wohlig vor sich hin. Ob sie dachte, er wäre ihr Baby? Oder hatte sie ihn - lieb wie sie war - adoptiert? Egal, was es auch war - ich war froh, daß sie sich nicht verkrochen hatte.

Rica erlaubte es auch, daß er zu ihr ins Körbchen kroch und sich an sie kuschelte. Er wollte immer bei ihr im Körbchen schlafen. Aber in der Nacht durfte er das nicht, da kam er in seinen Kennel, wegen der Stubenreinheit. Wenn er morgens aufgestanden ist, und Rica lag im Körbchen, lief er sofort zu ihr. Entweder, er legte sich lieb zu ihr, oder er nervte sie mit seinem Abgeschlecke.

Manchmal bekam er von ihr eins auf den Deckel, wenn er zu stürmisch gewesen ist. Das durfte sie auch. Schließlich mußte er lernen, daß er sie auch mal in Ruhe lassen sollte. Solche Zurechtweisungen machen alle Hunde, das ist Erziehung. Meistens jedoch ging sie einfach weg, wenn er zu doll nervte.

 

Sie zeigte ihm, daß man bei Oma immer tolle Sachen kriegen konnte, so daß er schon bald wie Rica erstmal zu Oma gucken wollte, wenn wir vom Garten reinkamen.

Rica zeigte ihm, wie die Intelligenzspielzeuge funktionieren. Sie zeigte ihm, wie man versteckte Leckerlies in einem Handtuch finden konnte; fing also an, ihm Suchen zu lehren.

Wenn ich mit Pepe im Garten war und zur Beschäftigung ihn über ein Brett habe laufen lassen, dann wollte Rica immer mitmachen. Von wegen altes Eisen! Sie tappelte hinter oder vor Pepe über den selbstgemachten, niedrigen Laufsteg aus Brettern. Wie gesagt - sie wollte nie wahrhaben, daß sie schon "so" alt war und wollte immernoch alles mitmachen. Einmal kippte das Brett samt Rica um, daß sie auf der Erde lag. Ich habe mich vielleicht erschrocken, weil ich Angst hatte, daß sich Rica wehgetan haben könnte. Also habe ich sie untersucht. Es war aber alles in Ordnung. Als das Brett wieder aufgebaut war, lief sie erneut drüber. Ich konnte aufatmen.

Als Pepe dann starb, baute Rica von einem Tag auf den anderen ab. War es, weil sie ihn vermißte? Oder hätte sie sowieso in dieser Zeit abgebaut? Das ist eine der großen Fragen.

Ich hoffe, Rica war wirklich einverstanden mit Pepe gewesen! Aber sie hat ihm so viel erlaubt - wenn sie ihn nicht gemocht hätte, dann hätte sie das nie gemacht. Also muß sie ihn schon irgendwie gemocht haben. Jedenfalls hoffe ich das! Ansonsten würde ich mir das nie verzeihen!

So schließt sich der Kreis. Am Anfang, als wir Rica mit fast 9 Monaten geholt haben, war ich so oft am verzweifeln; sie hatte mir im ersten Jahr jede Menge Nerven gekostet. Ich habe nie gedacht, daß aus diesem Panikbündel einmal ein normaler Hund werden würde. Mehr noch: Daß aus diesem Panikbündel einmal mein anam cara - mein Seelenfreund - werden würde. Das hätte ich nie gedacht. Aber dann... Es war so schön zu sehen, wie sie sich gemausert hatte. Sie vertraute mir, ich vertraute ihr. Aus diesem armen Panikbündel wurde der beste Hund der Welt. Zwischen uns war ein besonderes Band. Es entstand durch die viele Arbeit, die wir beide durchstehen mußten. Das hat uns zusammengeschweißt. Ich kann nur immer wieder sagen, daß ich unendlich stolz auf meine kleine Rica bin! Was sie für Anfangsbedingungen gehabt hat - und was aus ihr geworden ist! Einfach sagenhaft! Ich bin stolz auf Rica!

Rica hat mir so vieles beigebracht. Es war eine wunderschöne Zeit mit ihr!

Nun wird ihr Name aus der Ahnentafel wahr. Laut Ahnentafel hieß sie ja "Aylin". Diese Schreibweise ist türkisch und bedeutet so viel wie "Mondlicht" oder "Mondschein". Das Licht des Mondes wird nun immer an Rica erinnern.

 

 

Zum Schluß möchte ich noch aus dem Lied "Horizont" von Udo Lindenberg zitieren.

 

 

 

 

Hinterm Horizont geht´s weiter

Ein neuer Tag

Hinterm Horizont immer weiter

Zusammen sind wir stark

Das mit uns ging so tief rein

Das kann nie zu Ende sein

Denn zwei wie wir

die können sich nie verlier´n

 

 

 

Danke, Rica, für diese wunderschöne Zeit mit dir!

 

Das sind erstmal alle Erinnerungen, die mir so eingefallen sind. Wenn ich noch weitere Erinnerungen an Rica habe, so werde ich sie hier aufschreiben.