Erinnerungen

Book of golden stories

Days of open roads

Now the autumn leaves are falling

...

But as long as I can see the morning

And blossom comes to bud again in spring

It´s enough to keep me still believing

Your memory is everything

 

(Aus: Book of golden stories von Runrig)

Nein, das ist kein Beardie von annodazumal. Das bin ich. Ein Bild aus meinen jungen Jahren. Ach, waren das Zeiten! Hier werde ich euch öfter einmal von früher erzählen, was ich da so alles erlebt habe und so.

Klettern

 

Ich bin für mein Leben gerne Berge hinaufgeklettert. Wenn wir an einem Berghang waren, dann habe ich immer ganz unruhig hinaufgeschaut, wo ich am besten rauf kann. Meistens sind wir bei uns den Kupferberg hinaufgeklettert. Ja, Frauchen ist hinterher gehechelt. Aber für mich tut sie eben alles. Ich war wie eine Bergziege. Mit sicherer Pfote fand ich den besten Weg nach oben und war ratzfatz am Ziel. Hinunter war´s auch lustig, besonders für Frauchen *grins* Aber meistens gingen wir oben auf dem Berg weiter und dann so ´n langweiligen Weg wieder runter. Heute als Oma will ich immer noch gerne klettern. Aber Frauchen läßt mich nur noch manchmal. Sie hat nämlich irgendwie Angst um mich. Pah! So ´n Unsinn! Tja, das Klettern war schon toll gewesen. Ach, waren das Zeiten!

Strohballen

 

Meine nächste Erinnerung gilt den Strohballen oder besser gesagt den Strohrollen, die in der Erntezeit immer auf den Feldern umherstehen. Wenn ich solch einen Strohballen gesehen habe, gab es für mich kein Halten mehr. Ich rannte hin und schwupps war ich oben. Von da aus habe ich die Umgebung beobachtet. Ich konnte Stunden da oben sitzen und beobachten. Das war immer zu schön gewesen. Jetzt juckt es mich auch immer noch in den Pfoten, wenn ich eine Strohrolle sehe. Aber Frauchen will nicht, daß ich da hochspringe. Sie meint, hoch würde ich vielleicht noch kommen. Aber das Runterspringen wäre für meine alten Knochen zu gefährlich. Na ja, so muß ich mich wohl oder übel zurückhalten und unten bleiben. So ´n Mist aber auch! Tja, die guten alten Zeiten...

Schöne, lange Spaziergänge

 

Das vermisse ich mit am meisten: Lange Spaziergänge. Frauchen vermißt das auch, sagt sie. Das war immer so schön gewesen! Wo wir überall waren! Davon kann ich heute nur träumen. Ich kann zwar immer noch schön spazierengehen - aber Frauchen will es nicht übertreiben und deshalb gehen wir nicht mehr ganz so lange wie früher. Was sie man immer hat! Sie sieht doch, daß ich laufen kann! Ich bin noch fitter als sie selber! Das muß ich aber mal sagen! Ich konnte im Grünen immer ohne Leine laufen. Hasen sind vor meiner Nase herumgehüpft - und ich habe sie nicht weiter beachtet. Frauchen und ich haben Rehe beobachtet. Wir sind immer richtig nah an sie rangekommen. Bei mehreren Rehen auf einem Schlag kam dann doch mal mein Hütetrieb hervor. Die sahen dann immer aus wie eine kleine Herde Schafe, die ich gerne zusammengetrieben hätte. Also wollte ich auch bei Rehen öfter mal hin. Aber Frauchen hat mich nicht gelassen. Und wenn Frauchen sagt, daß ich das lassen soll, dann lasse ich das auch. Frauchen hat sich öfter mal versteckt, daß ich sie suchen mußte. Das war immer lustig! Na, verstecken tut sie sich auch heute öfter noch. Aber damals war´s lustiger. Wir sind herumgetobt, Frauchen hat sich für mich zum Affen gemacht, wir haben viel erlebt. Tja, das waren Zeiten!

Agility

 

... das war mit das Tollste für mich. Wir sind zwar nie Turniere gelaufen, aber das war egal. Wir haben Agility just for fun gemacht. Wenn ich die Agility-Leine gesehen habe, gab es kein Halten mehr. Ich sprang umher und freute mich tierisch. Meine Lieblingshindernisse waren die Hürden und der Tunnel und alles, was fetzt. Der Tisch war mir immer zu langweilig. Irgendwann war ich so gut, daß ich bei der Turniergruppe trainieren durfte. Ui, war das toll! Ich liebe immer noch Agility. Als ich letztens mal mit Joy zum Hundeplatz gefahren bin und gesehen habe, daß ein Parcours aufgebaut wurde, da bin ich richtig verrückt geworden. Ich wollte mitmachen - und das in meinem Alter! Nach dem Training durfte Frauchen mit mir mal ein paar Sachen machen. Die Hürden wurden niedrig gestellt (so ´n Quatsch) und dann haben wir einige kleine Runden gemacht. Der Tunnel durfte natürlich nicht fehlen. Tja, da seht ihr mal - Agility macht mir auch noch heute Spaß. Das waren Zeiten!

Schietwetter

 

Früher konnte das Wetter für mich nicht schlecht genug sein. Wenn es regnete und stürmte, war ich in meinem Element und habe so richtig aufgedreht. Das ging ja auch - denn mein Fell war wetterfest. Es konnte noch so regnen - meine Unterwolle und Haut sind furztrocken geblieben. So konnte ich beim größten Schietwetter wie ein kleines Kind durch die Pfützen hüpfen. Frauchen hat immer gesagt, ich wäre eine Mischung aus Beardie und Wildschwein. War der Weg noch so breit, die Pfütze noch so klein - ich ging durch die Pfütze. Kein Matschloch war sicher vor mir. Ich sah manchmal aus, sage ich euch... Ja, Schietwetter habe ich geliebt. Seit ein paar Jahren habe ich eine Schilddrüsenunterfunktion. Seitdem habe ich keine Unterwolle mehr und das Deckhaar ist weich geworden. Nun bekomme ich bei Regen und Kälte einen Mantel an. Aber heute noch bei Regen rausgehen? Ach, neee... Jetzt als Oma verschlafe ich lieber die Regentage und träume von früher...

Fellpflege

 

Früher habe ich es geliebt, gebürstet zu werden. Das war für mich immer wie eine Extra-Schmuseeinheit gewesen. Na ja, ich hatte ja auch nichts zu befürchten. Mein Fell war - manche werden es nicht glauben - pflegeleicht. Alle 3 - 4 Wochen bürsten hat gereicht - und selbst da war nichts verfilzt. Also ein echt tolles Fell, was ich da hatte. So lag ich immer genüßlich auf dem Pflegetisch und habe mich verwöhnen lassen.

Und heute? Heute flüchte ich, sobald ich die Bürste sehe. Seit sich das Fell wegen der Schilddrüsenunterfunktion verändert hat, muß öfter gebürstet werden, weil es auf einmal schnell verfilzt. Und auch so ist mir das bürsten irgendwie unangenehm geworden. Meine alten Knochen machen das nicht mehr so mit. Wir alle vermissen mein pflegeleichtes Fell und das angenehme bürsten. Das ist schon blöd! Wenn man älter wird, wird manches besser - aber auch manches schlechter, z.B. das mit dem Bürsten. Was sich verbessert im Alter? Na, zum Beispiel, daß ich so eine Art Narrenfreiheit bekommen habe. Man läßt bei mir öfter mal Fünfe gerade sein. Ich bin erfahrener geworden. Und diese Erfahrung sagt mir jetzt, ich solle mal wieder eine Pause einlegen und mein Leben genießen...

Pfadfinder

 

Mit mir kann man sich nicht verlaufen. Denn ich weiß immer genau, wo wir lang müssen, um nach Hause zu kommen. So konnten Frauchen und ich früher gut neue Strecken auskundschaften. Wir sind irgendwo lang und wenn wir wieder zurück wollten, dann war ich an der Reihe und habe den Weg zurück geführt. Das kann ich übrigens auch heute noch. Doch Frauchen hat mit mir schon alles erkundet und von daher kann ich mein Talent nicht mehr so oft zeigen. Na ja, kann man nichts machen. Aber von meinen Pfadfinderkünsten erzählt Frauchen immer noch gerne. Das waren Zeiten...

Scherben

 

Das ist keine schöne Erinnerung, gehört aber trotzdem hierher. Ich habe das seltsame Talent, in jede Scherbe zu latschen, die es gibt. Früher war es besonders schlimm. Mindestens einmal im Jahr mußte ich deshalb einen Verband tragen.

Einmal war es besonders schlimm. Frauchen und ich gingen an einem Sonntag über den Kupferberg. Ab und zu waren noch Schneereste vorhanden. Ich bin ja hart im nehmen, was das betrifft, also habe ich Frauchen nicht Bescheid gesagt, als ich mich geschnitten habe. Als ich dann auf Schnee gelaufen bin, hinterließ ich lauter rote Tapsen. Sofort hat mich Frauchen gestoppt und hat nachgesehen. Was sie da sah, war furchtbar. Ich hatte mich so doll geschnitten, wie noch nie. Der eine Ballen war durchgeschnitten, man konnte ihn aufklappen und das rohe Fleisch sehen. Der Heimweg war furchtbar für Frauchen. Sie wollte schnell nach Hause, aber das hätte die Blutung noch verstärkt. Also mußte sie wohl oder übel langsam nach Hause gehen. Zu Hause wurde ich in die Küche gepackt. Die Küche sah bald aus wie ein Schlachthaus. Überall Blut. Da es Sonntag war, mußten wir erstmal einen Tierarzt finden, der Dienst hatte. Inzwischen hatte Frauchen mir einen Pfotenverband angelegt. Dann ging es los, zu einem Tierarzt, wo ich noch nie gewesen bin. Der hat mir nur eine örtliche Betäubung in die Pfote gegeben und hat den Ballen dann genäht. Ich sage euch: Das tat vielleicht weh! Ich habe direkt mal gejault.

Ja, diese Erinnerung würde ich gerne vergessen. Aber sie gehört mit zu meinem Leben. Also mußte sie erzählt werden. Diese blöden Scherben! Und vor allem diese blöden Leute, die diese Scherben hinterlassen!!! Ich könnte die so...

 

                         Erinnerungen an Rica