Vom Panikbündel zum Kasperkopf Teil 2

Im Sommer 1998 machte ich ein Seminar mit, das auf dem Hundeplatz stattfand. Da lernte ich, mit dem Clicker umzugehen. Zu Hause wollte ich das umsetzen. Da Rica schreckhaft war, clickte ich erst in der Hosentasche, dann normal. Daß Click Futter bedeutete, fand Rica bald raus. Und ab diesem Zeitpunkt ging es steil bergauf. Es hatte im wahrsten Sinne des Wortes Click gemacht. Denn von nun an hatte ich etwas, was ihr Selbstvertrauen sehr stärkte. Oder anders gesagt: Sie lernte neue Sachen - dadurch wuchs ihr Selbstvertrauen. Das wiederum bewirkte, daß sie insgesamt sicherer wurde. Durch den Clicker lernt(e) sie jede Menge Kunststückchen - was ihr riesigen Spaß bereitet. Der Clicker war der Durchbruch.

 

Die Gewöhnung an Menschen, Autos, Fahrräder etc. verlief gut. Sie geht bei uns die Hauptstraße entlang, während die LKW an ihr vorbeidonnern, ohne daß es sie noch interessiert. Geräusche wie Böller, Schüsse und sonstige Knaller sowie Gewitter, lösen leider noch immer bei ihr Angst aus - was aber viele Beardies und andere Hunde haben und daher keine große Besonderheit ist. Allerdings machen ihr Luftgewehrschüsse nichts aus, warum, ist mir rätselhaft. Aber egal. Übrigens hatte ich extra eine Geräusche-CD gekauft, wie imme so schön geraten wird. Aber Rica ist zu schlau dafür. Sie merkt ganz genau, daß das keine Realität ist. Die CD-Geräusche kann ich ganz laut stellen - ob Schüsse, Böller oder Gewitter - und es macht ihr nichts aus. Was auch seltsam ist, ist folgende Situation: Spielen Kinder draußen Ball, was ja auch im gewissen Sinne knallt, wenn der Ball auf dem harten Boden aufkommt, dann macht ihr das irgendwie Angst. Nehme aber ich einen Ball und knalle den auf den Boden, dann hat sie keine Angst. Im Gegenteil. Dann will sie sogar mitspielen. Das ist schon etwas seltsam.

 

Nun aber weiter der Reihe nach. Kurze Zeit nach dem Seminar machten wir den Agility-Anfängerkurs mit. Rica fand dort ganz schnell weitere Hundekumpels. Vor allem Higgins, ein struppiger Mischling, hatte es ihr angetan. Agility war Ricas Ding. Sie war immer Feuer und Flamme. Zwar ein wenig langsam, aber dafür sehr korrekt. Sie liebte den Tunnel und die Hürden. Der Tisch war ihr zu langweilig. Wenn Rica auf dem Parcours war, gab es immer was zu lachen. Beim Springen schmiß sie ihre Beine immer so lustig nach vorne, worüber sich die anderen amüsierten. Und dann der Sacktunnel! Jedes Mal, wenn Rica aus dem Sacktunnel kam, blieb sie stehen und schüttelte sich erstmal, ordnete sozusagen ihr Fell - erst dann ging es weiter.

 

Schon bald bekam ich wegen Rica Komplimente, weil sie so gut erzogen sei. So etwas macht natürlich stolz - vor allem, wenn man bedenkt, was wir für Anfangsbedingungen hatten.

 

Nun ist Rica 13 Jahre alt. Agility machen wir zwar nicht mehr. Aber dafür lernt sie noch immer gerne neue Kunststückchen. Wenn wir zusammen üben, dann ist sie so albern, daß man lachen muß. Natürlich mag sie, wie alle anderen Beardies, keine ständigen Wiederholungen. Also wird alles wahllos durcheinander geübt. Für andere sieht es dann so aus, als hätte ich kein Konzept. Aber nur so halte ich Rica bei Laune. Sie spielt für ihr Leben gerne, ist albern, ein richtiger Quatschkopf. Mit früher ist sie gar nicht mehr zu vergleichen. Wer sie von damals nicht kennt, kann ihre Geschichte kaum glauben. Sie ist förmlich ein anderer Hund. Je älter sie wird, umso alberner wird sie.

 

Es war ein langer und teils schwerer Weg. Aber es hat sich gelohnt. Wenn ich Rica ansehe, wie sie spielt und lebenslustig ist, dann kann / will ich mir gar nicht vorstellen, was aus ihr geworden wäre, wenn wir sie nicht genommen hätten. Daran mag ich gar nicht denken.

 

Langsam wird sie an den Schläfen grau, die Augen sind öfter trübe. Aber sie ist noch fit wie ein Turnschuh. Wir genießen jede Minute mit Rica und hoffen, daß sie noch lange bei uns bleiben wird!